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Engel der guten und schönen Dinge

Ein Weihnachtsmärchen

Es war einmal eine kunstfertige Frau. Rote Locken wippten um ihr freundliches Gesicht und sie gestaltete ganz wunderbare Dinge, die sie zu Markte trug. Die Menschen jedoch schienen sich für diese nicht so sehr zu interessieren, wie sie gehofft hatte und der Mann, der ihr einen Platz zum Feilbieten ihrer Ware überliess, hatte ein kaltes Herz und verlangte für diesen unerbittlich seine fünf Taler, auch wenn sie nichts verkaufen konnte.

So ging sie wieder einmal enttäuscht nach Hause, ihr Bündel mit nicht Verkauftem auf dem Rücken, und fragte sich, wieso sich an diesem Marktplatz niemand für die Geschichten zu ihren Erzeugnissen interessierte und für die ausgesuchten Materialien aus der Natur.

Nachts wälzte sie sich in einem unruhigen Schlaf im Bette, da erschien ihr im Traum eine Lichtgestalt. „Ich bin die Inspiration und bringe dir eine Botschaft“, sprach diese zur Frau, „Der Himmel hat einen Auftrag für dich. Wenn du die Augen öffnest, wirst du einen Stock vorfinden. Nimm diesen, geh hinaus, in die Stadt und zum Theater des Glücks. Klopf dort mit dem Stock dreimal an die Türe und sie wird sich weit für dich öffnen. Richte im Theater einen Markt ein für schöne Dinge, die nicht aus giftigen Stoffen gefertigt wurden. Geh vor die Türe, durch die Stadt und vor die Tore, bring alle Menschen mit, die solche Dinge feilbieten und behandle sie wie deine Familie. Tust du so, wie dir geheissen, werden sich für die guten, schönen Dinge auch viele Käufer finden.“

Die rothaarige Frau öffnete die Augen und erblickte, genau wie im Traum vernommen, einen knorrigen Rebenstock, angelehnt an den Rand des Bettes. Sie richtete sich auf und befolgte genau die Anweisungen der Lichtgestalt aus ihrem Traum. Auf dem Weg zur Stadt traf sie auf Menschen, die sie kannte und erzählte allen von ihrem Traum. Einige schüttelten unsicher oder verächtlich den Kopf und versuchten, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Doch jedes „Aber“ oder ein „Nein“ spornten die Kunstfertige nur noch mehr an. Schliesslich fanden sich auch Solche, die ihr helfen wollten, Frauen, die sie schon gekannt hatte und die rothaarige Frau auf ihrem Weg begleiten wollten. So waren es ihrer fünf, die zusammen durch das Stadttor schritten und hin zum Theater. Dort angekommen, hob die Frau den Stock der Lichtgestalt hoch und schlug damit dreimal gegen die Türe. Wie im Traume vorhergesagt, öffnete sich die Theatertüre weit und ein freundlicher Mann geleitete die fünf Frauen mit einer grossen Geste ins Innere.

Die Frauen überlegten nun, wie der neue Marktplatz sein sollte. „Lasst uns ein Fest veranstalten, das mehrere Tage dauert!“, sagte die Erste. „Gutes Essen und reichlich zu Trinken soll es auch geben“, meinte die Zweite. „Vergesst nicht, Menschen aus dem ganzen Land einzuladen, sonst verkauft sich ja nichts!“, gab die Dritte zu bedenken. „Erst müssen wir aber genügend Verkäufer finden, die fürs Feilbieten ihrer Ware auch einige Taler bezahlen möchten“, stellte die Vierte fest. Die rothaarige Frau wippte nachdenklich mit ihrem Weidenstock und sagte dann: „Das Wichtigste ist doch, dass hier auf unserem Markt keine Ware verkauft wird, die aus billigen, giftigen Materialien gefertigt wurde und womöglich noch von Sklaven. Und dass wir die Verkäufer gut behandeln und ihnen beim Verkaufen helfen!“ Die anderen Vier nickten zustimmend und wandten sich dem Ausgang zu.

Als die Frauen aus der Türe des Theaters hinaus traten, geschah etwas Wundersames. Einer nach der anderen wuchsen, kaum, dass sie einen Fuss auf die Aussenstiege gesetzt hatten, grosse, weisse Flügel aus ihren Rücken. Eine unerklärliche Kraft strömte durch die Frauen, in die Flügel hinein, liess sie ihre Schwingen weit ausbreiten. Sodann wurden die Frauen davongetragen, hoch hinaus in die Lüfte und übers Land, in verschiedene Himmelsrichtungen. Sie blickten hinunter zu den Häusern und durch die Fenster, auf der Suche nach Menschen, die Kleider nähten, Schmuck fertigten oder Möbel bauten. Hatten sie solche erblickt, rissen sie sich eine Feder aus, banden eine Karte daran und liessen diese herab fallen. Auf den Karten stand: „Komm ins Stadttheater und verkauf mit uns deine schönen Dinge, aber aus edlen Stoffen müssen sie sein und nicht von Sklaven gemacht!“

So kam es, dass aus allen Teilen des Landes Menschen herbei strömten, frohen Mutes und mit Bündeln voller schöner und guter Dinge. Alle fanden sie einen Platz im Theater und schon bald darauf begann ein Fest, das vier Tage dauerte und von vielen Menschen besucht wurde. Die fünf fleissigen Engel schwirrten umher, halfen den Anbietern, ihre Ware vorteilhaft ins Licht zu rücken und mit einem Lächeln zu verkaufen. So waren alle zufrieden und ein Jahr später fanden sich alle wieder im Theater ein, um abermals ihren Markt abzuhalten und von da an immerfort.


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Die rotgelockte Designerin Christina Müller ist 10 Jahre, nachdem sie ihren Traum einer Messe für nachhaltige Designprodukte unter dem Namen "Designgut" realisiert hat, immer noch voller Tatendrang.

Die Besetzung der helfenden "Engel" ist inzwischen eine andere, die Unterstützung für Anbieterinnen und Anbieter von nachhaltig produziertem Design inzwischen noch grösser geworden. So können sich zum Beispiel Kreativschaffende einmal jährlich am "Design Day" an diversen Workshops aus Bereichen wie Vertrieb, Marketing, Finanzen und Juristisches einen für den Erfolg nötigen Feinschliff holen.



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Träumen und guten Eingebungen zu folgen lohnt sich (Illustration: Nadia Strelkina)
Die Designgut-Engel heute